Daten & Fakten

Fakten zum Pfandsystem

Strukturierte Aufbereitung der wichtigsten Argumente — jeder Fakt mit Quelle belegt.

Kosten

Einfuehrungskosten: 1,5 Milliarden Euro

Die Einfuehrung des Einwegpfandsystems hat geschaetzt 1,5 Milliarden Euro gekostet — fuer Automaten, Logistik-Infrastruktur und IT-Systeme. Diese Investitionskosten wurden ueber die Produktpreise an die Verbraucher weitergegeben.

Kosten

Ein Pfandautomat kostet ca. 35.000 Euro

Ein einzelner Ruecknahmeautomat kostet rund 35.000 Euro in der Anschaffung. Ueber 10 Jahre Betriebsdauer kommen pro Markt ca. 160.000 Euro an Gesamtkosten zusammen (Strom, Personal, Wartung). In Deutschland stehen ueber 30.000 TOMRA-Automaten — nur von einem Hersteller.

Quelle: EDEKA Verbund

Umwelt

Einweg-Recyclingquote: 98,5%

Die Rueckgabequote fuer Einweg-Pfandflaschen lag 2022 bei 98,5%. Eine beeindruckende Zahl — bis man sie mit der Gelben Tonne vergleicht.

Quelle: GVM Gesellschaft fuer Verpackungsmarktforschung, 2023

Umwelt

Bottle-to-Bottle: Nur 45%

Die Rueckgabequote von 98,5% wird gerne als Recyclingquote verkauft. Tatsaechlich werden nur 45% der PET-Flaschen wieder zu neuen Flaschen. Der Rest wird zu Fasern, Folien oder anderen Produkten downgecycelt — oder thermisch verwertet (verbrannt).

Umwelt

Gelbe Tonne: 68,9% Verwertungsquote fuer Kunststoff

Die werkstoffliche Verwertungsquote fuer Kunststoffverpackungen ueber das Duale System lag 2023 bei 68,9% — ein Rekordwert, 2018 waren es noch 42%. Die Gelbe Tonne wird besser, ohne Parallelinfrastruktur.

Politik

Mehrwegquote sinkt trotz Pfand

Das Einwegpfand sollte die Mehrwegquote schuetzen. Stattdessen sank sie von 66% (2004) auf unter 42% (2023). Das primaere Ziel des Gesetzes wurde verfehlt.

Logistik

Paralleles Logistiksystem

Pfandflaschen werden separat gesammelt, transportiert und verarbeitet — parallel zur bestehenden Gelben Tonne. Zwei Logistikketten fuer das gleiche Material: PET-Kunststoff. Doppelter Transport, doppelter CO2-Ausstoss.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe / HDE Analysen

Logistik

NIR-Sortierung erkennt PET automatisch

Moderne Sortieranlagen verwenden Nahinfrarot-Spektroskopie (NIR) und erkennen PET-Flaschen auf dem Foerderband in Sekundenbruchteilen. PET aus der Gelben Tonne wird industriell genauso zuverlaessig sortiert wie PET vom Pfandautomaten — ohne manuellen Aufwand der Verbraucher.

Quelle: Fraunhofer IVV / Duales System Deutschland

Umwelt

Glasrecycling funktioniert ohne Pfand: 88%+

Deutschlands Altglas-Containersystem erreicht ueber 88% Recyclingquote — ohne Pfand, ohne Automaten, ohne Supermarkt-Rueckgabe. Einweg-Glasflaschen mit Pfand muessen trotzdem zum Laden zurueckgebracht werden, obwohl der Altglas-Container denselben Zweck erfuellt.

Soziales

Rund 5 Minuten pro Pfandrueckgabe

Durchschnittlich verbringt ein Haushalt etwa 5 Minuten pro Pfand-Vorgang am Automaten — ohne An- und Abfahrt. Bei zwei Besuchen pro Woche summiert sich das auf ueber 8 Stunden im Jahr.

Quelle: Eigene Berechnung auf Basis GfK Konsumpanel

Kosten

TOMRA: 1,35 Milliarden Euro Umsatz, 70% Marktanteil

TOMRA Systems erzielte 2024 einen Konzernumsatz von 1,35 Milliarden Euro — Rekord. Das Unternehmen kontrolliert ueber 70% des Weltmarkts fuer Pfandautomaten. 30.000 Automaten allein in Deutschland. 65% des Umsatzes kommen aus Wartungsvertraegen — stabiles Recurring Revenue.

Kosten

Pfandschlupf: 180 Millionen Euro pro Jahr

Nicht alle Pfandflaschen werden zurueckgegeben. Das einbehaltene Pfand — der Pfandschlupf — betraegt ca. 180 Millionen Euro jaehrlich. Kumuliert von 2003 bis 2015 waren es 3,5 Milliarden Euro. Dieses Geld fliesst an die Getraenkehersteller als leistungsloser Gewinn.

Quelle: NABU

Soziales

Abfall-Lagerung in der Wohnung

Das Pfandsystem zwingt jeden Haushalt, Abfall in der eigenen Wohnung zu lagern. Offene Dosen mit Restfluessigkeit, klebrige Tueten, Fruchtfliegen im Sommer, Schimmelbildung bei laengerer Lagerung. Zuckerhaltige Reste in offenen Behaeltern sind ein Brutgebiet fuer Bakterien und Insekten. In kleinen Wohnungen steht die Pfandsammlung neben der Kueche — ein Gesundheitsrisiko, das niemand hinterfragt, weil es als normal gilt.

Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband

Politik

Einwegpfand ab 2003 — gegen den Mehrweg-Trend

Das Einwegpfand wurde am 1. Januar 2003 eingefuehrt. Die urspruengliche Idee: Einweg verteuern, Mehrweg schuetzen. Das Gegenteil trat ein. Einweg wurde durch das Pfandsystem legitimiert — es wirkt jetzt "umweltfreundlich", obwohl es Einweg bleibt.

Quelle: Verpackungsverordnung 1991/2003

Soziales

Hygiene-Probleme an Automaten

Pfandautomaten sind regelmaessig verschmutzt, klebrig und riechen nach gaerenden Getraenkeresten. Die Restfluessigkeiten dutzender Haushalte sammeln sich im Inneren. Wartung erfolgt durch Ladenpersonal neben dem regulaeren Betrieb — ohne spezielle Hygiene-Standards. Im Sommer sind Fruchtfliegen-Schwärme am Automaten Standard. Das alles in Raeumen, in denen gleichzeitig Lebensmittel verkauft werden.

Quelle: Verbraucherbeschwerden, Handelsjournal

Kosten

Supermaerkte: Gezwungen, nicht ueberzeugt

Laut §31 Verpackungsgesetz muss jeder Haendler, der Einweg-Pfandgetraenke verkauft, die gleiche Materialart zuruecknehmen. Die Kosten fuer Automaten, Wartung und Flaeche tragen die Maerkte selbst. Das Handlingsentgelt von 3-3,5 Cent pro Behaelter deckt nur einen Bruchteil der realen Kosten von rund 160.000 Euro pro Markt ueber 10 Jahre.

Quelle: Verpackungsgesetz §31, EDEKA Verbund

Soziales

Klebrige Haende, klebrige Wohnung

Wer Pfandflaschen und -dosen anfasst, hat danach klebrige Haende. Die Restfluessigkeit aus Dosen laeuft aus, verschmutzt Tueten, Regale, Boeden. Jeder Kontakt mit Pfandgut ist ein Kontakt mit fremden Speichelresten, Zucker-Bakterien-Gemischen und Schmutz. Kein anderes Entsorgungssystem verlangt vom Verbraucher, Abfall regelmaessig mit blossen Haenden anzufassen und durch die Wohnung zu tragen.

Quelle: Alltagsbeobachtung / Verbraucherforen

Historischer Kontext

Das Einwegpfand wurde am 1. Januar 2003 in Deutschland eingefuehrt, unter Bundesumweltminister Juergen Trittin (Gruene). Die Einfuehrung war eine der umstrittensten umweltpolitischen Entscheidungen der 2000er Jahre — nicht nur die Industrie, sondern auch Teile der Umweltverbaende standen dem System kritisch gegenueber.

Urspruenglich sollte das Pfand als Lenkungsabgabe wirken: Verbraucher sollten zu Mehrwegflaschen greifen, weil Einweg teurer wird. Das Gegenteil trat ein. Der Mehrweganteil sank von 66% (2004) auf unter 42% (2023). Das Pfand hat Einwegflaschen nicht weniger attraktiv gemacht — es hat sie nur umstaendlicher gemacht.

Die Deutsche Pfandsystem GmbH (DPG) wurde 2005 als Traegergesellschaft gegruendet. Sie organisiert das Clearing zwischen Erstinverkehrbringern und Ruecknehmern, verwaltet die Pfandzeichen und zertifiziert die Automaten. Ein privatwirtschaftliches System, das durch gesetzlichen Zwang alimentiert wird.

Das Pfand auf Einwegflaschen ist ein Instrument zum Schutz der Mehrwegquote.

— Juergen Trittin, Bundestagsdebatte, 2002

Die Mehrwegquote lag 2023 bei unter 42%. Das erklärte Ziel der Verpackungsverordnung von 72% wurde nie erreicht.