Wer verdient
Wer profitiert vom Pfandsystem?
Das Pfandsystem ist kein Ehrenamt. Es ist ein Markt mit klaren Gewinnern — und die Verbraucher gehören nicht dazu.
TOMRA Systems
Norwegischer Technologiekonzern
TOMRA ist der weltweit führende Hersteller von Pfandrücknahme-Automaten. Das Unternehmen stellt die Maschinen her, wartet sie und verkauft die zugehörige Software.
Konzernumsatz 2024: 1,35 Milliarden Euro (Rekord). Über 70% Weltmarktanteil bei Pfandautomaten. 30.000 Automaten allein in Deutschland. 65% des Umsatzes sind Wartungsverträge — stabiles Recurring Revenue. Bruttomarge: 41%.
Jeder neue Pfandautomaten-Markt weltweit ist ein neuer Absatzmarkt für TOMRA. Das Unternehmen lobbyiert aktiv für die Einführung von Pfandsystemen in weiteren Ländern.
Quelle: TOMRA Annual Report 2023, tomra.com
DPG GmbH
Deutsche Pfandsystem GmbH
Die DPG organisiert das Clearing zwischen Erstinverkehrbringern (Getränkehersteller) und Rücknehmern (Einzelhandel). Sie verwaltet die Pfandzeichen, zertifiziert Automaten und überwacht die Kennzeichnungspflicht.
Gesellschafter: Spitzenverbände des Handels und der Getränkeindustrie. Die DPG ist eine privatwirtschaftliche Organisation, die durch den gesetzlichen Pfandzwang ihre Existenzberechtigung erhält.
Ohne Pfandsystem gäbe es keinen Bedarf für die DPG. Die Organisation hat ein strukturelles Eigeninteresse am Erhalt und an der Ausweitung des Systems.
Quelle: dpg-pfandsystem.de
Logistik-Unternehmen
Transport & Zählung
Die Rücknahme-Logistik — Transport der kompaktierten Flaschen vom Handel zu den Zählzentren und weiter zum Recycler — ist ein eigenständiger Wirtschaftszweig. Spezialisierte Dienstleister verdienen an jedem Kilometer.
Ohne Pfandsystem würden die gleichen PET-Flaschen über die bestehende Abfalllogistik (Gelbe Tonne) transportiert — ohne zusätzliche Fahrten.
Einzelhandel
Unfreiwillige Infrastrukturbetreiber
Supermärkte werden per Gesetz (§31 VerpackG) gezwungen, Pfandbehälter zurückzunehmen. Wer Einweg-Getränke verkauft, MUSS die gleiche Materialart annehmen. Keine Opt-Out-Möglichkeit.
Kosten pro Markt: Ein Automat kostet ca. 35.000 Euro. Über 10 Jahre Betriebsdauer rechnet EDEKA mit rund 160.000 Euro Gesamtkosten pro Markt (Strom, Personal, Wartung, Fläche). Das Handlingsentgelt von 3-3,5 Cent pro Behälter deckt einen Bruchteil davon.
Der einzige indirekte Nutzen: Kundenfrequenz. Wer Pfand zurückbringt, kauft oft ein. Aber das ist kein Argument für das System — das ist das Beste aus einer aufgezwungenen Situation.
Quelle: Verpackungsgesetz §31, EDEKA Verbund
Pfandschlupf-Profiteure
Nicht zurückgegebenes Pfand
Nicht jede Flasche wird zurückgegeben. Der sogenannte Pfandschlupf — also Pfand, das Verbraucher bezahlt haben aber nie zurückbekommen — wird auf 180 bis 340 Millionen Euro jährlich geschätzt.
Wer profitiert? Die Erstinverkehrbringer (Getränkehersteller). Sie kassieren das Pfand beim Verkauf, müssen es aber nicht erstatten wenn die Flasche nie zurückkommt. Das ist ein leistungsloser Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe.
Quelle: IW Köln, Marktschätzungen
Das Muster
Das Pfandsystem hat eine Eigenschaft, die es politisch nahezu unantastbar macht: Es erzeugt bei den Verbrauchern das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Wer seine Flaschen zurückbringt, fühlt sich umweltbewusst. Wer das System kritisiert, wirkt wie jemand der gegen Recycling ist.
In Wahrheit ist das Pfandsystem ein Geschäftsmodell. Automatenhersteller, Logistiker, Clearing-Organisationen und Getränkehersteller (über den Pfandschlupf) profitieren. Die Kosten — finanziell und zeitlich — tragen die Verbraucher und der Einzelhandel. Supermärkte werden per Gesetz gezwungen, auf eigene Kosten eine Infrastruktur zu betreiben, die sie nicht wollen und die sich für sie nicht rechnet. Der Recycling-Vorteil gegenüber der existierenden Gelben Tonne ist marginal.
Wer vom Pfandsystem profitiert, hat kein Interesse daran dass diese Rechnung transparent wird.